Wenn ich das vergangene Jagd- und Kursjahr Revue passieren lasse, fällt mir besonders auf, dass sehr wenige meiner „Frischlinge” noch die Möglichkeit haben, nach der bestandenen Prüfung ihre Erfahrungen in einem behüteten Umfeld sammeln zu können. Wie oft klingelt mein Telefon und einer meiner Jungjäger bittet um genaue Anleitung, wie man einen Fuchs am besten abbalgt, einen Fasan rupft oder wie man jetzt genau an die Grandeln kommt – was mich fernmündlich immer wieder vor eine Herausforderung stellt.

Alles kann man während der Ausbildung nicht erlernen, wobei ich mich stets sehr bemühe, viel Praxis in den Unterricht einzubauen. Leider fehlt es der neuen Generation Jäger oft an willigen Lehrprinzen und an Jagdmöglichkeiten, wo es ihnen nicht unangenehm sein muss, nachzufragen oder um Anleitung zu bitten, da mittlerweile (zum Glück) viele zum Waidwerk finden, ohne einen Grünrock in der unmittelbaren Verwandtschaft zu haben. Was macht man nun, wenn man vor theoretischem Wissen fast platzt, es aber nirgends ohne Hemmungen oder ohne einen erfahrenen Begleiter umsetzen darf und kann? Für viele ist dies sehr frustrierend, viele Jagdgesellschaften verhalten sich wie sagenumwobene Geheimbünde, deren Aufnahmeverfahren einer erneuten Prüfung gleicht. Vielerorts tut man sich wahnsinnig schwer, als bisher jagdfremde Person irgendwo hineinzukommen, nicht bei jedem Veranstalter will und kann man bedenkenlos buchen und auch dann fehlt es meistens an jungjägerspezifischem „An-der-Hand-Nehmen-und-Lospirschen” beziehungsweise an budgetorientierten Angeboten. Immerhin hat man sich ja gerade einen Kurs geleistet, hat die ersten Anschaffungen getätigt und wie wir wissen, ist die Grundausstattung ja nicht gerade nachgeworfen. Da meine Schüler allesamt während des Kurses mit mir in unserem Familienrevier zur Jagd gehen und sie in 8 von 10 Fällen dabei auch erleben dürfen, dass wir sogar zu Schuss kommen und wie man das Wild versorgt, habe ich mich letztes Jahr von meinen Schülern bezirzen lassen, mit ihnen ihre ersten jagdlichen Schritte zu gehen. Denn Zuschauen ist das eine, aber die rote Arbeit erstmals selber angehen, ist eben nicht wie ein Möbelstück nach Bauanleitung zu bauen.

Mit Jungjägern unterwegs

Deshalb habe ich gemeinsam mit meinem Jagdfreund Aleš Maxa eine Enten- und Gänsejagd organisiert – aber es war nicht nur die Organisation einer Jagd, es war vielmehr wie eine Art Schulausflug, wo man Bescheid bekommt, was einzupacken ist, welches Gewand, welche Munition, welche Dokumente, etc. mitzunehmen sind. Während der Jagd haben wir unseren Jungjägern nicht einfach Kommandos erteilt, wie es leider einige Pirschführer machen, wir haben sie Erfahrungen sammeln lassen, sie wachsen lassen, ihnen Hilfestellung gegeben und am Schluss ihre Freude geteilt!

Die Frischlinge bekommen zusammen die Chance, ihre erste Gesellschaftsjagd frei von den besprochenen Jungjägerängsten zu erleben. Wir rupfen gemeinsam unsere Beute, sie stecken sich ihre ersten eigenen Erpelhaken an den Hut. Diese aktive Betreuung sorgt für eine herrliche Klassenzimmeratmosphäre und lässt diese jungen grünen Seelen ihre ersten Erfahrungen sammeln, für die meisten das erste Waidmannsheil.

Und nach Rückkehr in die Heimat haben mich köstliche Fotos diverser Zubereitungsarten unserer Beute erreicht, deren „Duft” uns Gusto auf mehr gemacht haben. Deshalb und Dank wunderbarer Zusammenarbeit mit meinem lieben tschechischen Freund haben wir für viele unvergessliche Momente gesorgt und wurden mehrfach gebeten, mehr davon zu organisieren. Wir sind natürlich keine professionellen Jagdreiseveranstalter, allerdings schlägt mein Herz für meine Jungjäger und auch Aleš erfreut sich mehr an einem Waidmannsheil der Frischlinge als an seinem eigenen. Deshalb wird es auch weiterhin einerseits Jagden auf Schalenwild geben und anderseits wieder Enten- und Gänsejagden. Diese Erlebnisse machen es Jungjägern einfacher, sich später in erfahrenen Jagdkreisen zu bewegen und öffnen somit Tür und Tor, um gut unterzukommen. Deshalb würden wir uns auf Grund zahlreicher Anfragen in diese Richtung freuen, auch euch Leser der Jungjägerseite bei der einen oder anderen „Klassenfahrt” dabei zu haben (Anfragen bitte an office@jagdkarte.at), um mit euch eure ersten Pirschgänge zu starten und die Natur zu erleben! Sonst kann ich euch nur raten, euch hinauszutrauen, aktiv zu Jägerstammtischen oder Jagdclubs zu gehen. Nehmt Veranstaltungen und Weiterbildungsseminare eurer Jagdverbände wahr, viele bieten auch spezielle Jungjägerveranstaltungen an – dann werdet ihr durch neue Kontakte bestimmt fündig! Vergesst nicht, eure Büchsen für den bevorstehenden Saisonbeginn kontrollzuschießen und eure Ausrüstung zu kontrollieren!

Allzeit sichere Kugel wünscht euch immer wieder gerne,
Eure Theresa

Worauf man achten sollte, wenn man eine Jagdreise bucht:

  • Wie verhält es sich, wenn der Pirschführer Wild frei gibt, dies jedoch nicht von den Kosten gedeckt ist? (z.B.: ein stärkerer Bock als vom Angebot abgedeckt, wurde erlegt)
  • Was kostet das Auskochen und Nachsenden der Trophäe?
  • Muss man extra Pirschkilometergeld im Revier zahlen?
  • Sind die Pirschgänge inkludiert?
  • Jagdberechtigung im Ausland, Versicherung, Einfuhr von Waffen
  • Wie werden die Trophäen bewertet?
  • Was ist zu zahlen, wenn Wild nicht gefunden bzw. angeschweißt wurde?
  • Stornokosten
  • Unterbringungskosten

Hinweis: Jagdkarte.at ist kein frei buchbarer,  kommerzieller Jagdreiseveranstalter.

Dieser Artikel ist in der Novemberausgabe 2017 des Magazins „Die Jägerin – Das Jagdmagazin“ erschienen.