Chancen für Aus- und Weiterbildung sieht Theresa Zwettler in Zeiten von Corona

Am 13. März, bezeichnender Weise war es ein Freitag, habe ich das letzte Mal live vor Schülern unterrichtet und ihnen verkünden müssen, dass wir den laufenden Unterricht aus Vorsichtsmaßnahmen vorerst einstellen müssen. Die ersten Tage der Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus haben mich als Jagdschulleiterin bangen lassen, wann ich wohl wieder „Frischlinge“ ausbilden darf.

„Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie kräftig an und handelt“

Dante Alighieri

oder frei nach Berthold Brecht:

„Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

Wie ist die Jägerschaft gerüstet mit solchen Herausforderungen umzugehen und welche positiven Neuerungen können wir aus den jetzigen Einschränkungen, mit denen uns dieses Virus umfriedet, gewinnen?

Auch für die Jagd ist es – besonders in Bezug auf die künftige Jungjägerschaft – an der Zeit, auf neue Medien zu setzten. Speziell in punkto Aus- und Weiterbildung wird es sich als besondere Investition in die Zukunft lohnen. Denn auch wenn uns dieses Virus in unserer Bewegungsfreiheit massiv einschränkt, zwingt es uns in der theoretischen Ausbildung definitiv nicht zum Stillstand – virtuell bieten sich uns eine Vielzahl von Möglichkeiten!

Unter diesen Umständen gerecht zu werden, hat jagdkarte.at mit dem Wiener Landesjagdverband bereits im April den ersten Online Jungjägerkurs zur Vorbereitung auf die theoretische Prüfung erfolgreich abgehalten. Freilich ist es für alle Vortragenden eine Umgewöhnung. Vertrautheit, Zusammengehörigkeit, der auflockernde „Schmäh“ leiden ein wenig in den Weiten dieses Internets. Dafür verbindet die gemeinsame Leidenschaft, das Verlangen mehr über die Jagd und all ihre Facetten zu erfahren, noch mehr! Außerdem überwiegen viele vorerst ungesehene Vorteile dieser neuen Kursart. Bis dato war der kontinuierliche Zugang zu Kursen, egal ob tagsüber oder abends, für sämtliche Schichtarbeiter (vom LKW-Fahrer über den Polizisten zum Spitalsarzt), für Frauen mit kleinen Kindern zu Hause, etc. mehr als beschwerlich.

Deshalb muss ich auch im jagdlichen Bildungsbereich – wie auf Hochschulen – auf berufsbegleitende Methoden gesetzt werden. Ein teils selbst einteilbares Homeschooling, welches wir in Zeiten von Covid gezwungenermaßen einleiten mussten, wird auch nach Ende der derzeitigen Einschränkungen für bestimmte Zielgruppen weiterhin der einzige Weg zur Erlangung der Jagdkarte sein. Wir wollen diesen Menschen den Zugang zur Jagd nicht verwehren, deshalb sehen wir die momentanen Umstände als Chance, die Jagd mehr Menschen als vorher nahezubringen. Mit Onlinekursen bringen wir jagdliches Wissen auf bequeme Art direkt in die Wohnzimmer. Wir passen uns an unterschiedlichste Bedürfnisse an und ermöglichen in modernster Umsetzung Wissen, Traditionen und Brauchtum an die Interessenten zu übermitteln. Wir beten keine Asche an, wir tragen das Feuer weiter hinaus! Online wird gemeinsam für die theoretische Jungjägerprüfung gelernt, Kochkurse werden interaktiv angeboten, diverse Weiterbildungsseminare zu einzelnen Wildarten, online Waffenpflegeseminare – Jagd und Internet steht in keinerlei Widerspruch, ganz im Gegenteil – das Internet schafft uns Chancen. Diese Chancen machen die Jagd moderner, gesellschaftsfähig und gewissermaßen zeitgemäß.

In der Hoffnung auf viele solcher Angebote im jagdlichen Aus- und Weiterbildungsbereich freuen wir uns aber dennoch sehr auf ein baldiges Miteinander in der Natur, die wir so lieben und die uns so eint! Also halten wir es zukunftsorientiert positiv nach einem der größten Feldherren (und Jäger) der Antike – Hannibal Barkas:

„Entweder werden wir einen Weg finden, oder wir machen einen!“

Nutzen wir die Zeit, Weidmannsheil!

Dieser Beitrag ist in der Juli-Ausgabe des Magazins „Die Jägerin“ erschienen.