500.000 Jahre Jagdgeschichte – der Mensch – vom reinen Sammler zum Sammler und Jäger.

Wofür stand die Trophäe ursprünglich? Die meisten glauben, dieses Wort sei mit der Jagd seit ihrem Ursprung unzertrennlich. Das Wort „Trophäe“ ist ursprünglich eine griechische Bezeichnung und bedeutete ein Symbol, an dessen Stelle die Feinde auf dem Schlachtfeld die Flucht ergriffen haben. Ein Art Siegeszeichen also (griechisch Tropaion – Wende, Flucht). Meist bestand dieses Zeichen aus einem hölzernen Pfahl, an dem Waffen und Rüstungen der Unterlegenen befestigt wurden. Diese Symbolik des Sieges wurde auch im Römischen Reich angewandt, verlor jedoch einige Epochen später ihre eigentliche Bedeutung. Mit der traditionellen Jagd kommt dieses Wort erst viel, viel später in Berührung.

Freilich hat man immer wieder besondere Teile erbeuteter Tiere in irgendeiner Weise verwendet, meist jedoch zu anderen Zwecken. Die steinzeitlichen Vorfahren sahen darin eher Kraft Böses abzuwenden. Deshalb wurden „Trophäen“ am Körper oder in der eigenen Behausung versteckt zum Schutz angebracht. Eigentlicher Hauptzweck war die Gewinnung von Wildbret und anderen Rohstoffen. Später ging man dazu über, diversen Jagdgottheiten mit Schädeln oder Geweihen zu huldigen. Im Mittelalter diente das Geweih wieder ausschließlich als Werkstoff. Bis zirka zum Jahr 1500 wurde dieses vermehrt als Schmuck in Schlössern ausgestellt (mehr Sammler als Erleger also), jedoch nur kapitale Stücke, oder Besonderheiten wie Anomalien. Bis 1900 wurde die Trophäe im jagdlichen Zusammenhang nur äußerst selten erwähnt. Meist weil ein Jagderlebnis besonders gefährlich war. Erst im Jahr 1910 war die Trophäe bei der ersten internationalen Jagdausstellung in Wien für jedermann ein Begriff, der von dieser Zeit an mit der Jagd verbunden wurde. Als Folge der bürgerlichen Jagdkultur wurde im Dritten Reich dieser Begriff auch gesetzlich mit der Jagd verbunden. Von da an wurden Trophäenschauen angeordnet, wo nach bestimmten Einheitsformeln bewertet werden musste. Seit diesem Zeitpunkt ist die Jagd in der Öffentlichkeit ganz klar mit Bildern verbunden, die stolz zur Schau gestellte Trophäen mit ihren Erlegern zeigen. Für den Schützen von unschätzbarem Wert, denn niemand kann die Mühen oder Erlebnisse dahinter erahnen und entsprechend zu schätzen wissen. Allerdings sollten meiner Ansicht nach noch immer herrschende Diskussionen, welche Trophäe die Bessere sei und das Brüsten am Stammtisch von immer länger werdenden Stangen etc. langsam in den Hintergrund treten. Was uns reicher macht sind die Erfahrungen, die wir in der Natur samt ihren Mitgeschöpfen sammeln dürfen. Denn das bleibt uns für die Ewigkeit.

So befindet sich auch heute der Begriff der „Trophäe“ wieder im Wandel.

Die neue Trophäe ist in der Jägerschaft immer mehr nicht das Geweih und Co, sondern das Wildbret oder wie es Toni Mörwald ausgedrückt hat – „die Genusstrophäe“. Diese Umschichtung der Werte habe ich in den letzten Jahren mit Begeisterung in meinen Kursen erfahren dürfen, Wildbrethygiene ist auf einem ganz anderen Niveau. Wir dürfen Hoffnung haben für unsere Zukunft. Denn der Jungjäger von heute hat einen anderen Antrieb zur Jagd zu gehen, nämlich des Fleisches wegen. Es ist ein Privileg, dieses wunderbare, hochqualitative Lebensmittel selbst ernten zu können, das Handwerk dahinter zu verstehen und unsere Familien damit versorgen zu dürfen. Für den Jäger von heute ist es aber auch ein Siegeszeichen, Lebensraum für unsere Wildtiere zu erhalten und vor verschiedenen Eingriffen zu bewahren. Die zahlreichen Interessen diverser Naturnutzer stapeln sich auf begrenztem Raum. Hege hat heute eine ganz andere Bedeutung als noch vor 100 Jahren. Deshalb denke ich, dass zum Beispiel die Schaffung von Wildruhezonen, oder die Verbesserung von Lebensräumen ebenso als Trophäen anzusehen sind. Kulturverlierer im Tierreich haben wir nämlich leider viel zu viele. Dennoch möchte ich die klassische Jagdtrophäe nicht aus unserem Brauchtum, unserer Kultur, verbannen – sie ist ein Erinnerungsstück an dieses besondere Erlebnis, wie ein Bild, das für uns mehr als tausend Worte sagt. Ich wünsche mir nur von unseren Jungjägern, dass sie nicht nur stolz auf einen Teil der Beute sind, sondern dass das Lebensmittel im Vordergrund steht. In Zeiten von Massentierhaltung sind wir angehalten, bei der nicht jagenden Bevölkerung Aufklärung zu betreiben und ihr auch dieses kostbare Lebensmittel zur Verfügung zu stellen.

Aufklären kann man nur mit Wissen, und dazu gehört auch ein sauberer Standard bei der Wildbrethygiene. Das ist unsere Pflicht! Fortbildung diesbezüglich ist oberstes Gebot, auch in Jungjägerkursen muss hier ein neuer Ansatz gefunden werden. Nicht bei allen Kursen ist ein Praxisteil mit eventuellem gemeinsamen Aufbrechen oder gar Zerwirken angeboten – hier würde ich mir Neuerungen wünschen. Hilfe für junge Jäger, die eben keinen Anschluss im familiären Umfeld haben. Mir gelingt es leider auch noch nicht bei jedem einzelnen Kurs, dies umzusetzen, aber das ist zumindest ein Anfang.

Wir müssen den Gedanken, dass unser Wildfleisch diesen gewissen Hautgout hat, aus den Nasen der Bevölkerung verbannen. Man muss wieder mehr Vertrauen zu uns schöpfen, damit dieses großartige Lebensmittel von der Bevölkerung gerne und vor allem mit Dankbarkeit angenommen wird. Auch die Küche bezüglich Wildfleisch ist im Wandel, es muss nicht immer mit dicker Sauce und Rotkraut zubereitet werden, aber darüber schreibe ich vielleicht ein anderes Mal. Leider steckt unsere Gesellschaft in einer großen Schieflage, Essen ist für viele zur absoluten Nebensache geworden, für die man möglichst kein Geld ausgeben will und auch lieber nicht hinterfragen möchte, wo es herkommt. Wie schon in der letzten Ausgabe erwähnt, nimmt jeder fleischessende Österreicher (90%) pro Jahr im Durchschnitt um die 65 Kilogramm Fleisch zu sich. Der Wildfleischanteil davon ist mit 0,7 Prozent traurig gering. Lasst uns unseren Teil dazu tun, dies zu ändern! Die liebsten Jagdgeschichten meiner Jungjäger sind jene, wo mir am Schluss der aufregenden Erzählung mitgeteilt wird, wie gut es geschmeckt hat.